Auffahrtswochenende – 31.5.19

Das Runtersteigen nach Lausanne war wieder mal eine Tortur. Schon beim Jakobsweg war ich an der Signalisation gescheitert. Kaum kommt man an den Rand der Stadt, bei Epalinges, Croisette, wird man im Kreis rumgereicht. Eine Stadt für Autofahrer, für ÖV-Nutzer, aber sicher nicht für Pilger. Zu guter Letzt hat auch mein Handy mit der Route schlapp gemacht. A bon entendeur… Nachdem es schon schwer gewesen war, in Lausanne eine einigermassen bezahlbare Bleibe zu finden, zu 86 CHF für ein paar Stunden Schlaf, wurde ich beim Versuch, die nächsteUnterkunft zu buchen, eines noch Besseren belehrt. Ausgebucht, ausgebucht, ausgebucht, die ganze Genferseeregion […]

Offene Kirche – 29.5.19

Eine offene Kirche – ist der Ausdruck nicht ein Pleonasmus – also doppelt gemoppelt wie «ein weisser Schimmel»? Und «offen» in welcher Hinsicht? Eine offene Tür? Manchmal von 07.30 Uhr bis 19.00 Uhr oder so ähnlich? Offene Türen von Kirchen haben mich schon einige Male vor Regen geschützt, oder gar Gewitter, oder Kühle an heissen Tagen gespendet. Oder Zeit geschenkt zur Einkehr und zur Stille. Das ist für mich die tiefste Stufe des «offen» seins. Und dennoch – viele bleiben geschlossen, auch auf Pilgerwegen, und sind nur sehr beschränkt zugänglich. Eine Massnahme gegen Missbrauch? Littering? Vorbeugung wovor? Bösen Buben? Auf […]

Ein fauler Tag – 28.5.2019

Könnte man meinen, der Pilger nimmt’s aber ganz gemütlich. Er sitzt um acht Uhr morgens noch in der Küche der Pilgerherberge und lässt sich’s nach einem Neunstundenschlaf gut gehen. Nun, ich würde nie behaupten, es ginge mir nicht gut. Aber wenn die Blasen am linken grossen Zeh nicht wären, ein trauriger Anblick, der einem Zombie-Streifen Ehre machen würde, dann wär ich längst auf den Beinen und weg Richtung Orsonnens, meine nächste Klosterunterkunft. Wie komme ich zu diesen Blasen, frage ich mich? Nachdem ich schon mal praktisch ohne solche lästigen Begleiter  je kennengelernt zu haben, über 2000 Kilometer nach Santiago de […]

Auf Augenhöhe – 26.5.19

Was mich immer wieder erstaunt, ist die Nähe der Menschen, völliger Unbekannter, die ich beim Pilgern erfahre. In den seltensten Fällen werden Smalltalk betrieben oder Oberflächlichkeiten feilgeboten. Die Beiz, die abgebrannt ist, was das für die Familie bedeutet. Oder der Ertragswert des Hofes, die menschliche Tragödie, die dahintersteckt, wenn die im Pensionsalter stehenden Eltern bereit waren zur Übergabe an den ältesten Sohn, alle Verträge gezeichnet, und dann erkrankt dieser an MS, was einen landwirtschaftlichen Beruf nahezu ausschliesst. Der Streit mit Schwager oder Schwägerin, die Distanzierung der eigenen Kinder. Der Streit mit der Denkmalpflege, die viel will und nichts bietet. Die […]

Rössli Gondiswil

23.5.19 Eine echte Schweizer Beiz, ein Gasthof mit Seele. Direkt vor der Dorfkäserei, die lokalen Emmentaler macht. Wo die Bauern noch heute ihre Milch hinbringen. Ein Dorf mit Dorfladen, Metzger, Beck und das Rössli. Langweilig? Mitnichten. Nostalgisch? Vielleicht. Ich war am Donnerstag um sieben abends da. Das Rössli hat zwar Ruhetag, aber an der Tür steht die Einladung: «Lieber Gast, wenn du ein Zimmer möchtest, bitte anrufen» -. Und eine Telefonnummer. Oder so ähnlich, der «Liebe Gast» hat mir besonders gefallen, und die Einfachheit, mit der ich empfangen wurde. Ich hatte auch mit einem Abendessen gerechnet. Denn am Donnerstag ist […]

Der richtige Weg

„Woher weisst du, dass du auf dem richtigen Weg bist?“ Die Frage stellte mir Dave, als wir kürzlich zusammen zu Mittag assen. Dave ist ein guter Kollege und ein sehr fähiger Fachmann. Ich bin glücklich, ihn zu kennen und auch ein bisschen als Freund betrachten zu dürfen. So lade ich ihn auch sehr gern ein zu Fachreferaten für meine Studierenden. Er führt ihnen plastisch vor Augen, was der Job des Kommunikations- und Marketingmanagers alles verlangt und was er bietet. Dave ist aber nicht nur ein Profi. Er hat auch das Herz am rechten Fleck, was ihn umso sympathischer macht. Ich […]

Noch 17 Tage

Die Wanderschuhe sind nun ausgewählt und schon ein bisschen eingelaufen. Ich habe mich nach einigem Suchen für Hanwag Bunion Halux entschieden. Ohne wasserdichte Membran, denn nach einigem Lesen habe ich erfahren, dass sie bei wärmeren Temperaturen den Dienst, die Feuchtigkeit nach aussen zu diffundieren, versagt und die Füsse förmlich im eigenen Schweiss baden. Schliesslich werde ich im Juni und  anfangs Juli durch die Toskana und ein Stück Latium pilgern, und dort ist es zu der Jahreszeit bekanntlich heiss. Sehr heiss. Auch die Wrightsocks mit doppelter Beschichtung scheinen sich im Eigentest zu bewähren. Ergänzt werden die Wanderschuhe noch von Wandersandalen. Ein […]