Hitzewelle – 28.6.19

Um 11.30 Uhr, deutlich vor dem Mittag, waren wir, das sind Willy, ein paar andere Pilger und ich heute am Ziel. Zwischen Start in San Miniato und Ziel in Gambassi Terme lagen kurze 24 Kilometer, die letzten vier alle bergauf. Die Backofenhitze brät danach alles durch, was sich zwischen Himmel und Erde bewegt. Über vierzig Grad im Schatten – die Hitzewelle hat Italien und uns Pilger erreicht. Sie treibt uns früh aus dem Bett. Heute Morgen waren erstmals mehrere Pilger mit mir um halb fünf am Frühstückstisch in der Herberge, eines der seltenen. Ansonsten ist eher Wasser angesagt. Ich war […]

Duftnoten – 27.6.19

Eine Blogleserin hat mich kürzlich nach den Gerüchen auf dem Weg gefragt. Das ist fast wie einen Italiener, der ein paar Touristen aus der Pfalz kennt, nach der korrekten hochdeutschen Rezitation des Zauberlehrlings zu fragen. Oder zumindest das berühmte Chuchichäschtli oder Miuchmäuchterli in die Schnauze zu setzen. Da kann ich nur lachen. Damit will ich nicht behaupten, dass ich die Gerüche nicht wahrnähme. Der Duft von den Bäckereien, an denen ich frühmorgens vorbeiziehe, signalisiert mir sofort: Hunger, zuschlagen, mmmhhh! Doch meistens sind sie noch geschlossen und nur die einsamen Bäckersmenschen machen sich hinter verschlossenen Türen zu schaffen. Oder der erste […]

Ein Monat – 23.6.19 (geladen am 24.6.)

(Und wieder kein W-Lan-Anschluss) Genau ein Monat ist es her, seit ich Rothrist Hinter mich gelassen habe, um nach Rom zu pilgern. Die Zeit ist nach einem ganz eigenen Muster vergangen. Schon ein Monat? Erst ein Monat? Beides trifft zu. Die Pilgerroutine strukturiert den Alltag. Sie beschleunigt die das Zeitgefühl. Und gleichzeitig so viele Eindrücke, Erlebnisse, Menschen unterwegs. Einige bleiben in Erinnerung. Andere verschmelzen im grossen Erinnerungsfondue. Ein Erleben sonst von Jahren in diesem Schmelztiegel. Wo war ich gestern? Wo bin ich heute Morgen gestartet? Ja, es war heiss. Nein, nirgends Wasser zu finden über 16 Kilometer. Aber mehr? Ich […]

Sonnenwende – 21.6.19 (geladen am 22.6.)

Ein guter Tag zum Nachdenken. Ein guter Tag zum Pilgern. Der längste Tag hat Symbolkraft, mag man dran glauben oder nicht. Meinem Fuss mit der Wanderblase geht’s viel besser. Holz alänge. Ich bin morgens wohlauf losgepilgert und habe nach etwa zwei Stunden den Höhenunterschied von 400 Metern zwischen der Herberge in Berceto und dem Monte Valoria hinter mich gebracht. Eine wunderbare Rundumsicht, hinter mir die Emilia-Romagna, vor mir die Toskana. Beides meine Heimat – mütterlicherseits die Emilia-Romagna, väterlicherseits die Toskana. So habe ich heute auch diese Grenze passiert, mit einer Schweizer ID. Ich pilgere nämlich als Schweizer. Was bin ich […]

Motore e Motori – 19.6.19

Viele Pilgerinnen und Pilger, denen ich begegne, sind nicht zum ersten Mal auf Achse. Die meisten haben schon den Jakobsweg, ja, sogar mehrere Jakobsweg-Routen hinter sich. Sie entdecken nun die Francigena mit ihren Eigenarten. Heute bin ich einem jungen Mann begegnet, der genau in meiner Gegenrichtung lief. Er war auf den ersten Blick hin als Pilger entlarvt. Ich konnte nicht umhin, ihn zu fragen, wer in der falschen Richtung unterwegs sei. Er antwortete – und da war der Welsche sofort zu erkennen – er sicher nicht. Er sei auf dem richtigen Weg. Ich übrigens auch – er sei nämlich zuerst […]

Begegnungen – 18.6.19

Heute Morgen bin ich wie üblich um 0500 losmarschiert von Chiaravalle della Colomba. Ich hatte am Vortag nicht vorgesorgt und daher nichts im Herbergs-Kühlschrank. Der Kaffee war alle. Der Tee auch. Zucker alleine löffeln macht kaum Spass, und undatiert uralte Cornflakes mit Wasser zu essen ist nicht mein Ding. So bin ich mit einem grossen Schluck Wasser losgegangen, in der Absicht, etwa acht Kilometer oder knappe zwei Stunden später in Castione Marchese zu einem Cappuccino mit Croissant zu kommen. Denkste. Wo man mir drei Bars in Aussicht gestellt hatte, waren genau – eine. Und gerade diese eine hatte grad Betriebsferien. […]

Pilgern – 17.6.19 (geladen am 18.6.)

Ich sitze wieder mal in einer WIFI-freien Zone. So schreibe ich mal an diesem Eintrag, weiss aber noch nicht, wann ich’s auf den Blog laden kann. So ist es halt, man muss sich den Umständen anpassen. Umgekehrt geht zwar manchmal, aber eben nicht immer. Stress draus zu machen wäre die falsche Pilgereinstellung. Im Hintergrund läuten die Glocken der Abtei di Chiaravalle della Colomba. Ein umwerfendes Kloster, das von St. Bernhard gegründet wurde und seine besten Zeiten gesehen hat. Nur eine Handvoll Zisterziensermönche sind noch da, und alle in den fortgeschrittensten Jahrgängen. Viele Freiwillige aus dem Dorf bereiten die «Infiorata des […]