Danke – 17.7.19

Samstag, 13. Juli: Um sieben Uhr geht’s von Roma Termini mit dem Hochgeschwindigkeitszug Frecciarossa  (Roter Pfeil) in knapp drei Stunden quer durch’s Land nach Mailand. Dann mit dem EC 316 nach Bellinzona, wo mich meine Frau Nicole mit dem Auto abholt, um zu unserem Ferienhaus oberhalb von Airolo zu fahren. Die Potenz und Bequemlichkeit der Technik lässt unser Pilgerunterfangen schrumpfen zu einem Nichts. Wieso einundfünfzig Tage gehen, was man in einem fahren kann? Die Frage erübrigt sich. Dazwischen liegen Welten. Zufällig habe ich zuhause ein Zitat gelesen, das meine Stieftochter Yara sich notiert hatte: „Per aspera ad astra“ – „Über […]

Einmal Pilger… – 12.7.19

Der Hospitalero (Gastgeber), der uns heute im Hospital di San Giacomo und San Labré in Rom empfangen hat, heisst Antonio. Als er bei der Registrierung die Herkunft «Schweiz» und «Aargau» gesehen hat, hat er uns begeistert von sich erzählt. In den siebziger Jahren hat er in der Brown Boveri in Baden gearbeitet. Er kennt noch seine Schweizer Adresse, die Namen seiner Vorgesetzten und auch seines Personalchefs. Heute ist er in Mailand zuhause, pilgert und ist als Freiwilliger Gastgeber in unserer Pilgerherberge, zusammen mit Elisabetta, Giovanni, Elena und Flora. Sie gehören dem römischen Kapitel der Laien-Bruder- und Schwesternschaft des San Giacomo […]

Gastfreundschaft – 11.7.19

Heute übernachten wir in einem Sechserzimmer in der Herberge der Suore delle Poverelle (Schwestern der Armen) in La Storta, die letzte Station vor Rom. Morgen geht es in die heilige Stadt, in die ewige Stadt, in eine Stadt, die im Müll erstickt und deren Infrastruktur zusammenbricht. Der Weg führt über mehr oder weniger verkehrsreiche Strassen, Parks, Strassen. Die Kosten der heutigen Übernachtung: 10 Euro im Hüttenschlafsack. Frühstück oder Abendessen werden hier nicht angeboten, aber rundum gibt’s genug Gelegenheit, sich zu verpflegen. Die Kosten für eine Herberge reichen von donativo (Spende), bis zu festen Preisen. Donativo bieten die meisten Klöster und […]

Aufwachen – 10.7.19

Wir sind heute in Campagnano di Roma angekommen. Ein karges Nest, in dem es auf und ab geht und man sich die Fitness von Kindsbeinen an erarbeitet. Nach der Marschtabelle in guter Zeit, etwa um halb zwei nachmittags, knapp vor dem Gewitter, das sich schon in den Vortagen abgezeichnet hatte. In der letzten halben Stunde hat uns Donnergrollen begleitet, aber der Sturm hat erst noch Kräfte gesammelt. So waren wir unter einem guten Dach, als der Regen eingesetzt hat. In unserer Region eher schwach. Die durstige Erde wird noch länger aufs Wasser warten müssen. Nochmals ohne Regenschutz durchgekommen! Das Grüppchen […]

Signale – 7.7.19

Im Prinzip ist der ganze Weg bis nach Rom gut signalisiert. Nur von Rothrist nach Huttwil musste ich ein bisschen improvisieren und die Wanderwege aussuchen. Danach ist der Jakobsweg nach Lausanne praktisch narrensicher angezeigt, und ab Lausanne ist die Via Francigena meistens gut bis sehr gut gekennzeichnet. Zudem gibt es eine App von Eurovia, die den ganzen Weg in mehr oder weniger sinnvolle Etappen segmentiert und bei jeder Abzweigung die Richtung weist. Da sind auch einige Unterkünfte drauf und sehr knappe Etappenbeschreibungen. So kommt man ohne grösseres Kopfzerbrechen nach Rom. Pilgerführer sind sinnvoll für allfällige zusätzliche Informationen wie Steigungen und […]

Pilgerfüsse – 3.7.19 (geladen am 4.7.)

Heute war ein besonderer Tag. Wir sind von San Quirico d’Orcia nach Radicofani gepilgert. Besonders war der Tag aus verschiedenen Perspektiven: Das Val d’Orcia ist eine der schönsten Gegenden in der Toskana. Weite Felder, sanfte Hügel, alleinstehende Gehöfte, die man am liebsten kaufen und sofort besetzen möchte. Viele Fotos der «typischen Toskana» sind hier in naturam zu sehen. Die Route war um die 32 Kilometer lang, wiederholte längere Auf- und Abstiege, und am Schluss, unter der starken Mittagssonne, ein acht Kilometer schweisstreibender steter Aufstieg. Nur zwei Wasserstellen dazwischen und eine Bar im ersten Drittel. Und kein Quentchen Schatten. Es war […]

Pilgertratsch – 1.7.19

Die ganz aktuellen Themen unter Pilgern sind die Hitze und die Verfügbarkeit von Wasser. Die ansonsten so liebliche Toskana zeigt sich da von ihrer harten Seite. Zwanzig, dreissig Kilometer bei Temperaturen über zwanzig Grad um fünf Uhr morgens, die sich bis um zwei Uhr nachmittags auf 36, 37 Grad steigern. Heute war die 26 Kilometer lange Strecke zwischen Siena und Ponte d’Arbia vollständig unbewaldet. Wir mussten schutzlos unter einer immer kräftiger brennenden Sonne gehen, ohne einen Windhauch, ein Lüftchen, ohne Bars, gottseidank immerhin zwei Brunnen unterwegs, die Warmwasser spendeten. Nicht anders unser eigenes mitgebrachtes Wasser, das ab 11 Uhr von […]