Pilgerfüsse – 3.7.19 (geladen am 4.7.)

Heute war ein besonderer Tag. Wir sind von San Quirico d’Orcia nach Radicofani gepilgert. Besonders war der Tag aus verschiedenen Perspektiven: Das Val d’Orcia ist eine der schönsten Gegenden in der Toskana. Weite Felder, sanfte Hügel, alleinstehende Gehöfte, die man am liebsten kaufen und sofort besetzen möchte. Viele Fotos der «typischen Toskana» sind hier in naturam zu sehen. Die Route war um die 32 Kilometer lang, wiederholte längere Auf- und Abstiege, und am Schluss, unter der starken Mittagssonne, ein acht Kilometer schweisstreibender steter Aufstieg. Nur zwei Wasserstellen dazwischen und eine Bar im ersten Drittel. Und kein Quentchen Schatten. Es war […]

Motore e Motori – 19.6.19

Viele Pilgerinnen und Pilger, denen ich begegne, sind nicht zum ersten Mal auf Achse. Die meisten haben schon den Jakobsweg, ja, sogar mehrere Jakobsweg-Routen hinter sich. Sie entdecken nun die Francigena mit ihren Eigenarten. Heute bin ich einem jungen Mann begegnet, der genau in meiner Gegenrichtung lief. Er war auf den ersten Blick hin als Pilger entlarvt. Ich konnte nicht umhin, ihn zu fragen, wer in der falschen Richtung unterwegs sei. Er antwortete – und da war der Welsche sofort zu erkennen – er sicher nicht. Er sei auf dem richtigen Weg. Ich übrigens auch – er sei nämlich zuerst […]

Pilgerritual, Pilgerbedürfnisse – 1.6.19

Das Pilgerleben ist stark ritualisiert und getaktet. Meist früh aufstehen, je länger die Tagesstrecke desto früher. Bereits am Vorabend ist der Rucksack möglichst reisefertig gepackt worden, aber es gibt am Morgen noch einiges hineinzutun, was in der Nacht benötigt wurde (T-Shirt genügt, ein Pyjama kann man sich schenken), Nécessaire (minimalistisch), vielleicht Schlafsack und allenfalls die Reiseapotheke, die man braucht, um eventuell wunde Füsse wieder nutzbar zu machen. Das Packen geht möglichst leise vor sich, versteht sich von selbst, um andere nicht zu stören. Wenn man Glück hat, gibt’s etwas zum Frühstück, vorbereitet am Vorabend, oder einen Kaffee oder Tee. Das […]

Noch 17 Tage

Die Wanderschuhe sind nun ausgewählt und schon ein bisschen eingelaufen. Ich habe mich nach einigem Suchen für Hanwag Bunion Halux entschieden. Ohne wasserdichte Membran, denn nach einigem Lesen habe ich erfahren, dass sie bei wärmeren Temperaturen den Dienst, die Feuchtigkeit nach aussen zu diffundieren, versagt und die Füsse förmlich im eigenen Schweiss baden. Schliesslich werde ich im Juni und  anfangs Juli durch die Toskana und ein Stück Latium pilgern, und dort ist es zu der Jahreszeit bekanntlich heiss. Sehr heiss. Auch die Wrightsocks mit doppelter Beschichtung scheinen sich im Eigentest zu bewähren. Ergänzt werden die Wanderschuhe noch von Wandersandalen. Ein […]

Planung ist die halbe Reise

Die paar Ostertage waren ideal zum Planen. Routenübersicht, Landkarten, sinnvolle Apps, Literatur und insbesondere Herbergen. Auf einer rund fünfzigtägigen Reise spielt es eine grosse Rolle, ob man für ein Bett einhundert Franken pro Nacht ausgibt oder nur zwanzig. Insbesondere in der Schweiz kann das Pilgern schnell aufs Portemonnaie schlagen – und zwar ohne nennenswerten Mehrwert. Im Gegenteil – oft ist das über einhundert Franken teure Hotelzimmer schlechter als die Privatunterkunft, für die man zwanzig, dreissig Franken ausgibt. Und pilgern ist nicht Tourismus. Deswegen gibt es beispielsweise viele Jakobspilger aus Deutschland, Österreich oder noch von weiter her, die die Schweiz meiden […]

Die Schuhe

Seit dem Jakobsweg mit den rund 2’100 gewanderten Kilometern ist mir klar geworden, wie wichtig die Schuhe sind. Nach den ersten Tagen werden die Füsse sensibler. Wenn die Schuhe zu eng sind, ist jeder Schritt schmerzhaft. Mit der Zeit, so hat mir mein Schumacher rictigerweise erklärt, werden die Schuhe wegen der Sohlenkrümmung auch kürzer. Damit verschiebt sich ein weiterer möglicher Schmerzpunkt nach vorn zu den Zehen.